Pfarrkirche St. Michael

Foto: privat
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Die Pfarrkirche St. Michael in Oerlinghausen wurde 1954/55 erbaut. Die Grundsteinlegung erfolgte am 26.9.1954, am 17.9.1955 war die feierliche Kirchweihe durch Weihbischof Franz Hengsbach, Paderborn.

Mit ihren hellen Wänden und der schlichten Holzdecke bildet die Kirche einen Raum von großer Einfachheit und Klarheit. Nach einer ersten Renovierung in den 80er Jahren wurde die Kirche 2013/14 umfassend innen renoviert und an die liturgischen Erfordernisse des II. Vatikanischen Konzils angepaßt. Der Altar aus Wesersandstein von Prof. Heinz Hollenhorst aus Verl wurde nach vorne in die Mitte der Gemeinde gerückt, ebenfalls der Ambo (Bronze), der auf das Gleichnis vom viererlei Ackerboden hindeutet. Matthias Eder, Bildhauer aus Leonberg, schuf den neuen Tabernakel (Bronze, Karlshafener Wesersandstein) und den neuen Taufstein, die am 15. Juni 2014 durch Dechant Fussy, Bielefeld, feierlich gesegnet wurden. Der Tabernakel nimmt die Bronzetüren von Berthold Müller-Oerlinghausen auf mit dem Bild der Fußwaschung (1960): „Ich bin unter euch als einer, der dient ...“.

Der bronzene Osterleuchter von Max Faller zeigt im Gezweig des Lebensbaumes in Tiersymbolen Gaben des Auferstandenen: unsterbliches Leben und Frieden (Pfauen und Tauben).
 

Der Kreuzweg (Katharina Sitnikov Peters, Paderborn 1983/84) ist eine weit über Deutschland hinaus bekannte künstlerische Besonderheit, weil hier erstmalig die 14 Stationen des Kreuzweges in der Form der ostkirchlichen Ikonen dargestellt sind, ergänzt durch eine 15. Station: „Auferstehung“. Der Leidensweg Jesus wird vergegenwärtigt in den Leiden dieser Zeit. Die 1., 12. und 15. Station enthält verhaltene Hinweise auf den ersten Seelsorger der Gemeinde, Pater Kilian Kirchhoff OFM.

Wir freuen uns, daß wir jetzt von Katharina Sitnikov-Peters auch ein „Spätwerk“ haben, die „Muttergottes der Zärtlichkeit“ - eine Ikone, die 2014 von der Künstlerin für die renovierte Kirche nach dem Vorbild der Muttergottes von Vladimir geschaffen worden ist und jetzt in der von Pater Abraham Fischer OSB gestalteten Werktagskapelle hängt.

In der der Nordapsis der Kirche wurde das Kreuzfenster wieder geöffnet, das im ursprünglichen Entwurf von Architekt Stiegemann, Warstein, enthalten war und früher mit Buntglas versehen war. In der Apsis steht auf einer schmalen Stele die Figur „Christus am Ölberg“ (Berthold Müller-Oerlinghausen, Bronze 1930), die zu sein
en bedeutendsten Werken gehört und in der Formsprache mit dem „Zweifler“ von Ernst Barlach verwandt ist.

Wenn man aus der Kirche herausgeht, schaut man auf das große Südfenster. Im unteren Bereich zeigt es Symbole von Passion und Auferstehung (Dornenkrone und durchstochenes Herz, Grabesengel), im oberen Teil lenkt es den Blick auf die Vollendung im himmlischen Jerusalem und die Anbetung des Lammes: „Ihm, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm gebühren Lob und Ehre und Herrlichkeit und Kraft in alle Ewigkeit. Und die vier Lebewesen sprachen: Amen.“ (Prof. Vinzenz Pieper, Berlin 1960).

Das Turmportal zeigt den Kampf des Erzengels Michael mit dem Drachen, das Ostportal in vier Bildern: Erschaffung des Adam und Himmelfahrt (der alte Mensch und der Erstling der neuen Schöpfung), Sündenfall und Kreuzigung (Schuld und Erlösung), Kupfer getrieben, Berthold Müller-Oerlinghausen 1961.
 

Die Krypta beherbergt ein Prozessionskreuz von H.G. Bücker, Vellern 1964, eine Pieta von Ernst Bannmüller (Holz, Oerlinghausen 1945) und farbige Fenster aus Betonglas (Prof. Vinzenz Pieper, 1970).

Das „Pater-Schulte-Kreuz“ (Josef Rikus, Paderborn 1986), umgeben von zwei barocken Figuren: Maria und Johannes, Sandstein, Mainfranken 1780) erinnert an den „fliegenden Pater“ Paul Schulte OMI, dem Begründer der MIVA, der von 1961 – 1970 in Oerlinghausen lebte. Die Gestalt des Gekreuzigten ist dem mittelalterlichen „St. Hülffe- Kreuz“ nachempfunden, einem alten Wallfahrtskreuz, das bis 1548 in der Kapelle auf dem Tönsberg verehrt wurde und sich heute in der Krypta des Paderborner Domes befindet.

Ein Gedenkstein an der Ostwand der Kirche erinnert an den ersten Seelsorger der Gemeinde Oerlinghausen, Pater Kilian Kirchhoff OFM. Mit der Übersetzung der ostkirchlichen Hymnen war er Wegbereiter der Versöhnung mit den Kirchen des Ostens.

1944 wurde er vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am 24.4.1944 in Brandenburg-Görden als Zeuge des Glaubens enthauptet (Bronze, BMO, 1975).
Diogenes, der alte griechische Philosoph, steht auf dem Kirchplatz, am hellen Tag mit seiner Laterne Menschen suchend. Er steht für alle, die auf der Suche sind, und die, die „draußen“ stehen (Bronze, BMO, 1936).

Die Kirche ist tagsüber zum Gebet geöffnet.